Onnis Krebs-Blog

Ich bin ein Prostatakrebs-Patient. Ich möchte in diesem Blog anderen Betroffenen von meinem Kampf gegen meine Krankheit berichten, in der Hoffnung, anderen damit zu helfen. Ich möchte von den Gefühlen berichten, die die Krankheit mit sich bringt, wie Hass, Depression und die Angst vor dem Sterben – aber auch von Hoffnung, Liebe und schönen Momenten. Ich habe versucht, Gründe für meine Erkrankung in meinem Inneren zu finden, in Fehlern, die ich begangen habe sowie Fehlernährung und Umwelteinflüssen. Dadurch erhoffe ich mir, Wege zu finden, mit der Erkrankung besser klarzukommen, sie zu bewältigen und auch gesund zu werden.

Die Entdeckung meines Prostatakrebses

Onni---1Ich bin Onni Alanen, Jahrgang 1944. Ich wohne in Finnland. Mein ganzes Leben habe ich in der Textilindustrie gearbeitet. Ich habe drei Ehen gehabt, die mir vier wunderbare Kinder und zwei Enkelkinder beschert haben. Nun lebe ich in meiner vierten Ehe mit einer wunderbaren Frau, die ich in China gefunden habe und mit der ich bisher zwölf wunderschöne Jahre verbracht habe. Ich werde bald zu ihr nach China ziehen.

All meine bisherigen Beziehungen, mein Arbeitsleben, alle bisherigen Phasen und meine Ernährung haben auf die ein oder andere Weise zur Entstehung meines Prostatakrebses beigetragen. Ich möchte von meinen Erfahrungen denen berichten, die wie ich deswegen in Behandlung sind, doch vor allen denjenigen, deren PSA (prostataspezifisches Antigen) zunimmt.

Im Frühling 2008 stellte man zufälligerweise fest, dass ich einen PSA von 7,5 hatte. Daraufhin wurde meine Prostata radikal verkleinert (Prostatektomie), bei der man einen Gleason-Score von 9 feststellte. Im Herbst 2008 dann folgte eine Strahlentherapie. Vier Jahre blieb der PSA fast unterhalb der Nachweisbarkeit, also wie immer. 2012 began er dann leicht zu anzusteigen. Damals suchte mir meine Frau einen Arzt für traditionelle chinesische Medizin. Durch die chinesische Medizin habbierte sich der PSA innerhalb eines halben Jahres, fing dann danach aber von selbst wieder zu steigen an.

Erst danach begriff ich, dass die Medikamente nicht zur Besserung beitrugen, und ich begann, nach den Gründen für meine Erkrankung zu suchen und meine Ernährung umzustellen. Meine letzten Tests zeigten, dass mein PSA etwas gesunken war und die im Sommer 2015 festgestellten Lymphknoten unterhalb meines Brustbeins geschrumpft waren – ebensowenig hatte der Krebs sich in die Knochen ausgebreitet.

Ich bin nicht besonders bewandert in der Medizin. Ohne medizinische Therapien wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Es kam mir überhaupt in den Sinn, als gesunder, fitter Mensch an Krebs zu erkranken! Ich wusste nichts davon, wie verbreitet Prostatakrebs ist, über Therapien, die Folgen von Therapien und auch nichts darüber, wie man diese Folgen vermeiden kann. Jetzt tue ich mein Mögliches, damit der Krebs sich nicht ausbreitet. Obendrauf habe ich aber als Ärgernis die Folgen bisheriger Maßnahmen, die ich vielleicht hätte vermeiden können, wenn ich gewusst hätte, wie meine Lebensweise dazu beitrug.

PSA

Prostatakrebs wird im Allgemeinen anhand des PSAs erkannt. Es wird nicht in dem Ausmaß an Männern überprüft wie beispielsweise Brustkrebs bei Frauen. Ein Test würde ungefähr 5 Euro kosten. Wenn bei mir ein solcher Test gemacht worden wäre, hätte mein Krebs vor seinem Ausbreiten aus seiner Keimzelle »entfernt« werden können. Es hätte aber wahrscheinlich nicht dazu geführt, dass ich meine Lebensweise verändert hätte. Ich hätte mir keine Gedanken darüber gemacht, welche Gründe zum Ausbruch von Krebs führen können, und wäre möglicherweise erneut an Krebs erkrankt – denn wenn man einmal Prostatakrebs bekommen hat, haben sich Krebszellen bereits im ganzen Körper ausgebreitet, bevor man sie überhaupt in der Prostata selbst erkennt, sagt jedenfalls Dr. Med. Thomas Rau von der Paracelsus Klinik Lustmühle Schweiz.

Das PSA bildet sich in der Prostata, und seinen Gehalt kann man im Blut ablesen. Bei Menschen unterhalb der 60 sollte sein Wert unter 4 sein, und es mehrere Jahre dauern, dass sich dieser Wert verdoppelt. Falls das PSA bei 2 oder darüber liegt, sollte der Test jährlich wiederholt werden. Beim Steigen des Werts sollte ein Urologe aufgesucht werden. Doch auch eine Biopsie kann nicht klären, ob der festgestellte Krebs »Tiger« oder eher »Haustier« ist. Dafür würde man Gentechnologie benötigen, die es in Zukunft aber sicherlich geben wird. Wenn die Natur des Krebses nicht festgestellt werden kann, ist auch die Gefahr überflüssiger Therapien groß. Um überflüssige Therapien zu vermeiden, wird gar nicht erst getestet, und fertig ist der Teufelskreis.

Meine eigenen Werte: TNM-Klassifikation war pT4, pNo (0/5), L1. Gleason-Score 4 (70%) + 5 (30%) = 9, also sehr aggressiv. Der Anteil des Krebsgewebes an der Prostata war etwa 15 %, r-Klassifikation R1. Je höher der Gleason-Score, als umso ernster wird der Krebs eingestuft. Mein derzeitiger PSA-Wert (Stand August 2016) ist 0,45. Wenn Prostatakrebs rechtzeitig behandelt wird, also bevor er sich aus seinem Infektionsherd ausgebreitet hat, sollte er 0 sein.

Bei der Bestimmung des Wertes wird nicht der Zustand des Körpers des Patienten miteinbezogen, also welche Lebensweise er bisher gehabt hat. Ich bin verstärkt zu dem Schluss gekommen, dass die Aggressivität des Krebses mit dem Zustand des Organismus‘ und der Psyche zusammenhängt. Hinweise darauf gibt auch die Studie von T. Colin Campbell in »The China Study«. Der Studie zufolge treffen sowohl Brust- als auch Prostatakrebs in Asien selten auf – und wenn er auftritt, ist er weniger aggressiv. Allerdings steigt die dortige Krebsrate mit der Zunahme an westlichen Ernährungsgewohnheiten wie zunehmendem Konsum von Fleisch und Milchprodukten um etwa 10 % jährlich.

Alternative Behandlungsmethoden

Weil ich mich in meinem Blog auf sogenannte ergänzende und alternative Behandlungen konzentriere, möchte ich zunächst erwähnen, was ich darunter verstehe. Damit meine ich Prävention, die Unterstützung einer Behandlung oder das Vermeiden derselben durch das Lösen von Problemen der Ernährung, Bewegung oder der Psyche. Während meines gesamten bisherigen Lebens (ich bin jetzt 72) habe ich bisher kein einziges Mal von irgendeinem Arzt irgendwelche Hinweise zur Erhaltung meiner Gesundheit bekommen. Meiner Meinung nach sollte es zum öffentlichen Gesundheitswesen dazugehören, dass man einmal im Jahr zu einem Arzt geht, der sich auf Ernährungsangelegenheiten spezialisiert hat. Bei uns in Finnland gehört das weder zu den Aufgaben noch zur Ausbildung von Ärzten. Meine Kenntnisse vor meiner Erkrankung basierten noch auf dem, was im Gymnasium Anfang der 1960er gelehrt wurde. Jetzt versucht das Gesundheitssystem, mit den Folgen dieser Unwissenheit klarzukommen. Ich habe jetzt versucht, meine Unwissenheit und meine Verfehlungen durch Lernen und das Ändern meiner Lebensgewohnheiten zu kompensieren. Neues Wissen und Veränderungen haben mir geholfen, und ich bin nun so gesund wie seit Jahren nicht mehr – abgesehen vom Krebs. Ich bin davon überzeugt, dass wenn ich damals das Wissen von heute gehabt hätte, ich den Fortgang des Krebses hätte so verlangsamen können, dass »harte« medizinische Methoden wie chirurgische Eingriffe oder Strahlungstherapie möglicherweise nicht nötig gewesen wären.

Medizin

Ich respektiere außerordentlich die Fachkompetenz und Ausbildung der Ärzte. Das Wissen über Ernährungsangelegenheiten blieb allerdings dem persönlichen Interesse des jeweiligen Arztes überlassen. Wie schon gesagt, ohne die Medizin wäre ich nicht mehr am Leben. In Finnland hat ein Arzt evidenzbasierte nationale Behandlungsempfehlungen zu befolgen. Alternative Medizin ist in Finnland nicht ausreichend untersucht, und es gibt auch keine Empfehlungen hierzu. Das Erforschen alternativer Medizin ist auch eine Herausforderung, weil es sich nicht wie sonst bei medizinischen Studien üblich um das Erforschen der Wirkung einzelner Faktoren handelt, sondern mehrerer, sogar um das Wirken Dutzender verschiedener Nährstoffe – dabei können auch psychische Faktoren wie Stress, die Qualität einer Beziehung und des Sexuallebens, Bewegung und die wirtschaftliche Lage des Patienten eine Rolle spielen.

Alternative Medizin wird gelegentlich sogar als Quacksalberei bezeichnet. Das hat seine Gründe, denn manchmal wählen Patienten anstatt einer klassischen medizinischen eine alternative Behandlungsmethode mit oft fatalen Folgen. Uns unbekannte, ganzheitliche Behandlungsmethoden werden allerdings als erste Wahl in China, Indien und in arabischen Ländern angewandt, das heißt, in einem Großteil der Welt. Die alternative Medizin sollte also in größerem Umfang erforscht werden, um die westliche auf das Behandeln von Folgen spezialisierte Medizin zu ergänzen.

In Mitteleuropa und in den USA wird alternative Medizin im Allgemeinen zusätzlich zu Behandlungsmethoden angewandt, die sich mit Folgen beschäftigen. Google gibt eine halbe Million deutschsprachige Seiten beim Suchwort Komplementärmedizin an, im Englischen bekommt man 4 Millionen Suchergebnisse, und bei PubMed sind es 750 000. Durch die Kombination ergänzender und alternativer Behandlungsmethoden und westlicher Medizin ist die Lebenserwartung auf das Zwei- bis Dreifache angestiegen, verglichen mit rein westlichen Methoden. Ergänzende Behandlungsmethoden erfordern allerdings das Erforschen der Erkrankungsgründe, das Ändern von Lebensgewohnheiten und vor allem geistiges Wachstum. Krankheiten haben im Allgemeinen einen psychosomatischen Ursprung, also zuerst die Psyche, wie Rüdiger Dahlke und Thorwald Dethlefsen in ihrem Buch feststellen, das bereits vor 30 Jahren veröffentlicht wurde: Krankheit als Sprache der SeeleThe Healing Power of Illness: Understanding What Your Symptoms Are Telling You. Das Hinzunehmen von Ernährungsangelegenheiten zur westlichen Medizin hat sich in Deutschland zum Beispiel die Biologische Krebsabwehr e.V. zu eigen gemacht. Die »Ernährungs-Docs« (Dr. med. Matthias Riedl, Dr. med. Anne Fleck und Dr. med. Jörn Klasen) sind durch zahlreiche Videos und ihr Buch bekannt geworden. Dasselbe gilt auch für Prof. Dr. Gustav Dobos und Dr. Sherko Kümmel mit ihrem Buch Gemeinsam gegen Krebs.

Muss der Patient also selbst Verantwortung übernehmen?

Wir müssen einander von unseren Erfahrungen erzählen. Wir müssen unsere Meinung den Entscheidungsträgern mitteilen, eine nationale Ausbildung für alternative Medizin fordern, die Ausbildung für auf Ernährungsangelegenheiten spezialisierte Allgemeinärzte fordern sowie eine breite und öffentliche Debatte, wie es sie in Mitteleuropa gibt.

Jeder weiß heutzutage, dass Ernährung und Lebensgewohnheiten die Entstehung von Krebs begünstigen können. Wenn ein Patient seinen Arzt nach Ernährungstips fragt, wird er höchstens in dem bestätigt, was er ohnehin schon gehört hat. Allgemein ist die Antwort darauf, dass man sich an gesunde, selbstgemachte Kost halten sollte, und dass es keine Belege dafür gibt, dass man mit seiner Ernährung den Krebsverlauf beeinflussen könnte. Heutzutage erwähnt der Arzt vielleicht einige Nährstoffe und Bewegung. Der Patient bekommt so dieselben Ratschläge wie über nationale Behandlungsempfehlungen, kaum mehr. In Deutschland nimmt man die Alternative Medizin ernst und dort bekommt man auch Informationen. Ich habe mir gerade einen Vortrag von Prof. Dr. Claus Leitzmann von der VegMed-Konferenz angeschaut. Er handelt von der Wirkung von Phytochemikalien auf die Behandlung und Vorbeugung; leider ist er auf Deutsch. Die anderen Vorträge der Konferenz sind auf Englisch.

Ty Bollinger schreibt in seinem Buch Krebs verstehen und natürlich heilenThe Truth about Cancer: [frei übersetzt aus der finnischen Version, Anm. d. Ü.]
»Zurzeit stirbt jede Minute ein Amerikaner an Krebs, das sind 1400 Menschen täglich. Dafür verantwortlich sind die Studien des staatlich finanzierten National Cancer Institute, die sich auf Chemo- und Strahlungstherapie und nicht auf die Prävention konzentrieren. Wie viel Leid hätte vermieden und gesellschaftliche Ressourcen geschont werden können, wäre das Geld für Agrarsubventionen für Krebsprävention ausgegeben worden?«
Wie kann man den Finnen klarmachen, dass jede dritte Frau und jeder zweite Mann an Krebs erkranken werden?

Letzten Frühling (5. April 2016) musste ich erfahren, dass die Frau eines Freundes an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben war. Jene Nachricht erschütterte mich zutiefst. Sie war in einer Fachhochschule und Mensa tätig und tat sicherlich ihr Bestes, den jungen Leuten gesundes Essen anzubieten – soweit sie darüber Bescheid wusste.

Den Anstieg des PSAs kann man bremsen und sogar stoppen

Prostatakrebs kann man wie auch anderen durch den eigenen Lebensstil hervorgerufenen Krankheiten vorbeugen, oder ihr Wachstum bremsen – indem man seinen Lebensstil ändert. Einer der seriösesten Fachleute ist Dean Ornish. Er spricht in diesem TED-Video von der Heilung (Englisch mit deutschen Untertiteln). Unter Anderem meint Ornish, dass Krankheiten durch übermäßigen Konsum von massenproduzierten Fleisch-, Milchprodukten sowie Getreideerzeugnissen verursacht werden (anders als beispielsweise Gemüse). Als weitere Ursachen nennt er Stress, finanzielle Probleme, Beziehungsprobleme sowie Umweltfaktoren.

Ornisch-70In einem anderen Video von Ornish, The killer American diet that’s sweeping the planet, sagt er bei 1:27: »Vor einigen Monaten konnten wir mit unserer Studie zeigen, dass wir den Verlauf von Krebs stoppen oder sogar rückgängig machen können, und zwar indem wir unsere Ernährungsgewohnheiten und unseren Lebensstil ändern. Damit konnten wir einen Rückgang um 70 Prozent beim Krebswachstum, oder bei der Wachstumshemmung, verglichen mit der Kontrollgruppe erreichen, die nur bei 9 Prozent lag. Und in der MRI- und MR-Spektroskopie hier ist die Prostatakrebsaktivität in Rot dargestellt – Sie können sehen, wie die sich innerhalb eines Jahres verringert hat.«

 Alfred Vogel listet in seinem Buch The Nature Doctor (deutsch: Der kleine Doktor) die wichtigsten Krebsursachen auf:

  • Erbfaktoren
  • Langfristige Ernährungsfehler
  • Sauerstoffmangel
  • Autofahren, Bewegungsmangel
  • Chemische Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, Strahlung (Handys etc.!)
  • Chemische Medikamente
  • Rückstände von Pflanzenschutzmitteln
  • Essen aus der intensiven / industriellen Landwirtschaft
  • Verspannungen im Körper
  • Chronischer mentaler Stress
Alfred Vogel explaining Artichoke to a child
Alfred Vogel, wie er einem Kind die Artischocke erklärt

»Erbfaktoren haben oft einen großen Einfluss auf die Erkrankung von Zellen, aber wenn man die nötige Vorbeugung trifft und die richtigen Lebensgewohnheiten wählt, müssen schlechte Gene nicht unbedingt zu Krebs führen. Obige Liste belegt, dass es sich bei der Entstehung von Krebs eigentlich um eine Rechenaufgabe handelt. Jede einzelne Belastung erhöht für sich genommen das Risiko zu erkranken, um ein paar Prozent. Sobald die Grenze von 100 Prozent erreicht ist, neigt sich die Waagschale der Dinge, die sich negativ auf die Zellen auswirken. Das Unglück ist passiert.«

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